Warum große Farbflächen im Druck so anspruchsvoll sind und was ANICOLOR anders macht

Eine große, einfarbige Fläche sieht im Layout zunächst denkbar einfach aus. Ein dunkler Hintergrund. Eine satte Markenfarbe. Eine ruhige Fläche auf einer hochwertigen Broschüre, Verpackung oder Geschäftsausstattung.

Im Druck kann genau das zur Herausforderung werden.

Denn je größer und gleichmäßiger eine Farbfläche sein soll, desto deutlicher werden kleinste Unregelmäßigkeiten sichtbar. Streifen, Schwankungen in der Farbdichte oder Unterschiede zwischen einzelnen Druckbogen fallen dort wesentlich schneller auf als in einem Foto oder einer kleinteiligen Gestaltung.

Eine wirklich ruhige Farbfläche ist deshalb weniger selbstverständlich, als sie aussieht.

Bei Stoll Farbtreu beschäftigen wir uns seit vielen Jahren genau mit diesem Thema. Und setzen dafür auf eine Offsettechnologie, die keineswegs zur Standardausstattung jeder Druckerei gehört: HEIDELBERG ANICOLOR.

Warum Vollflächen beim Offsetdruck besonders anspruchsvoll sind

Beim klassischen Offsetdruck muss die richtige Farbmenge sehr präzise auf den Druckbogen übertragen werden. Konventionelle Farbwerke arbeiten dafür mit mehreren Farbzonen und einem vergleichsweise komplexen Walzensystem.

Je nach Motiv, Bedruckstoff, Farbmenge und Auflage können sich dabei Unterschiede bemerkbar machen.

Gerade bei großen Vollflächen sieht man beispielsweise schneller:

  • unruhige oder unterschiedlich dichte Bereiche,
  • sichtbare Streifen in der Fläche,
  • Farbabweichungen innerhalb einer Auflage,
  • Unterschiede bei späteren Nachdrucken.

Was bei einem stark bebilderten Motiv kaum auffällt, kann auf einer großen dunkelblauen, schwarzen oder kräftigen Markenfläche sofort ins Auge springen.

Und genau hier wird interessant, wie die Farbe in die Maschine und anschließend auf den Bogen kommt.

Was macht ANICOLOR anders?

ANICOLOR arbeitet mit einem zonenlosen Rasterfarbwerk. Statt die Farbmenge über zahlreiche einzelne Farbzonen zu regulieren, übernimmt eine Rasterwalze mit definierter Struktur die gleichmäßige Dosierung und Übertragung der Farbe.

HEIDELBERG nennt als wesentliche Vorteile der Technologie unter anderem eine schnelle, gleichmäßige Einfärbung und hohe Fortdruckstabilität. Die Farbe kann dadurch sehr konstant über den Druckbogen und über die Auflage hinweg übertragen werden.

Das klingt zunächst technisch. Für den Auftraggeber ist jedoch das Ergebnis entscheidend:

Die Fläche wirkt ruhig. Die Farbe bleibt konstant. Und der nächste Bogen soll aussehen wie der vorherige.

Wenn eine Farbfläche wirklich ruhig sein muss

Genau bei großflächigen Motiven zeigt ANICOLOR eine seiner besonderen Stärken.

Durch den Aufbau der Rasterwalzenfarbwerke können typische Effekte konventioneller Mehrwalzenfarbwerke deutlich reduziert beziehungsweise vermieden werden. Stoll hat mit dieser Technologie insbesondere bei anspruchsvollen Vollflächen sehr gute Erfahrungen gemacht, bis hin zu Flächen ohne die typischen sichtbaren Walzenstreifen.

Das ist beispielsweise interessant für:

  • hochwertige Broschüren und Geschäftsberichte
  • Verpackungen
  • Umschläge mit großen Farbflächen
  • Corporate-Design-Anwendungen mit fest definierten Markenfarben
  • Karten, Mappen und Präsentationsunterlagen
  • Premium-Druckprodukte, bei denen eine ruhige Fläche Teil der Gestaltung ist.

Denn hier entscheidet nicht nur, welcher Farbton gedruckt wird. Entscheidend ist auch, wie gleichmäßig dieser Farbton auf der Fläche erscheint.

Farbtreue ist besonders bei Nachdrucken entscheidend

Ein weiterer Punkt wird häufig erst Monate später wichtig.

Eine Broschüre wird nachproduziert. Geschäftspapiere werden erneut benötigt. Eine Serie wird ergänzt. Oder ein Produkt soll in mehreren Produktionsschritten immer wieder in derselben Markenfarbe erscheinen.

Dann reicht „sieht ungefähr gleich aus“ nicht.

Die konstante Farbgebung von ANICOLOR unterstützt eine hohe Reproduzierbarkeit. Auch HEIDELBERG beschreibt die Technologie ausdrücklich mit konstanter Einfärbung und hoher Prozessstabilität.

Für Unternehmen bedeutet das:

Ein einmal sauber definiertes Erscheinungsbild lässt sich wesentlich verlässlicher wiederholen.

Gerade für Marken mit prägnanten Hausfarben ist das mehr als ein technisches Detail. Es ist Teil eines konsistenten Markenauftritts.

Offsetqualität auch bei kleineren Auflagen

ANICOLOR hat noch einen zweiten interessanten Effekt: Das Rasterwalzenfarbwerk kommt sehr schnell zu einer stabilen Farbgebung.

Dadurch werden beim Einrichten deutlich weniger Bogen benötigt als bei vielen konventionellen Offsetprozessen. HEIDELBERG positioniert ANICOLOR deshalb ausdrücklich für die wirtschaftliche Produktion kleiner und mittlerer Auflagen und nennt geringe Makulatur sowie kurze Rüstzeiten als wesentliche Vorteile.

Das ist spannend, weil sich dadurch die klassische Grenze zwischen Offset- und Digitaldruck verschiebt.

Wo eine kleinere Auflage früher schnell automatisch in Richtung Digitaldruck ging, kann ANICOLOR in geeigneten Fällen ermöglichen, die qualitativen Vorteile des Offsetdrucks auch bei vergleichsweise kleinen Stückzahlen wirtschaftlich zu nutzen.

Bei Stoll Farbtreu werden mit der Technologie, abhängig von Produkt und Auftrag , auch geringe Auflagen sinnvoll umgesetzt. Auf der bisherigen Stoll-Website wird eine Wirtschaftlichkeit bereits ab etwa 200 Exemplaren beschrieben.

Und was ist mit Sonderfarben?

Auch hier ist ANICOLOR interessant.

Die Technologie lässt sich nicht nur für klassische CMYK-Produktionen einsetzen. HEIDELBERG beschreibt ausdrücklich die Anpassung auf unterschiedliche Bedruckstoffe und Sonderfarben. Stoll verfügt darüber hinaus über langjährige Erfahrung mit Sonder-, Metallic- und Tagesleuchtfarben sowie speziellen Lackanwendungen.

Damit wird aus der Maschine kein Selbstzweck.

Sie erweitert vielmehr den Spielraum für Ideen, bei denen Farbe selbst zum Gestaltungsmittel wird.

Eine besondere Technologie, aber entscheidend ist die Erfahrung damit

Eine außergewöhnliche Druckmaschine allein macht noch kein außergewöhnliches Druckprodukt.

Material, Vorstufe, Farbwahl, Druckform, Veredelung und das Wissen der Menschen an der Maschine müssen zusammenspielen.

Stoll Farbtreu beschäftigt sich bereits seit 2008 mit ANICOLOR und produziert seit 2017 mit der nachfolgenden HEIDELBERG Speedmaster ANICOLOR SX 52/4 + L. Damit steckt hinter der Technologie inzwischen viele Jahre praktische Erfahrung.

Und diese Erfahrung wird gerade dann wertvoll, wenn ein Auftrag nicht einfach „irgendwie vierfarbig“ gedruckt werden soll.

Sondern wenn jemand sagt:

  • Diese Fläche muss wirklich ruhig sein.
  • Diese Farbe muss stimmen.
  • Dieser Nachdruck muss wieder passen.

Dass für entsprechende Aufgaben auch andere Druckereien bei Stoll produzieren lassen, ist deshalb kein Zufall.

Warum wir trotzdem nicht mit der Maschine anfangen

Bei Stoll beginnt ein Druckprodukt nicht mit der Frage: „Was kann unsere Maschine?“ Sondern mit: „Was soll das Druckprodukt beim Empfänger auslösen?“

Erst wenn Ziel, Idee und gewünschte Wirkung klar sind, entscheidet sich, welche Materialien, Veredelungen und Drucktechnologien dafür sinnvoll sind.

ANICOLOR ist dabei eines unserer Werkzeuge, aber ein besonderes.

Denn wenn eine Gestaltung nach satten, gleichmäßigen und reproduzierbaren Farbflächen verlangt, muss die Technik die Idee auch umsetzen können.

Die Idee entscheidet. Die Technik muss mithalten.

Sie planen ein Druckprodukt, bei dem Farbe, Fläche oder Wiederholbarkeit eine besondere Rolle spielen?

In unserer Ideen-Schmiede nehmen wir uns 60 Minuten Zeit und schauen gemeinsam, welche Drucklösung zu Ihrem Projekt, Ihrer Zielgruppe und der gewünschten Wirkung passt.

Häufige Fragen zu ANICOLOR

Was ist ANICOLOR?

ANICOLOR ist eine von HEIDELBERG entwickelte Offsetdrucktechnologie mit zonenlosem Rasterfarbwerk. Eine Rasterwalze dosiert die Farbmenge sehr gleichmäßig und ermöglicht eine schnelle und konstante Einfärbung.

Warum eignet sich ANICOLOR besonders für Vollflächen?

Die gleichmäßige Farbübertragung unterstützt ruhige, konstante Farbflächen und reduziert typische Unregelmäßigkeiten, die auf großen Vollflächen besonders sichtbar werden können. Stoll nutzt diesen Vorteil unter anderem für anspruchsvolle farbintensive Druckprodukte.

Eignet sich ANICOLOR auch für kleine Auflagen?

Ja. Durch kurze Rüstzeiten, schnelle Einfärbung und geringe Anlaufmakulatur ist die Technologie speziell auch für kleine und mittlere Offsetauflagen interessant.

Kann ANICOLOR Sonderfarben drucken?

Ja. Die Technologie lässt sich auf unterschiedliche Bedruckstoffe und Sonderfarben abstimmen; Stoll setzt sie unter anderem auch bei Sonder- und Effektfarben ein.